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ADHS verstehen Teil 1: Warum es nicht um die Aufmerksamkeit geht

  • Autorenbild: Ursula Egner
    Ursula Egner
  • 29. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Viele Eltern sagen mir: "Mein Kind weiß genau, was es tun soll - und trotzdem klappt es nicht. Es weiß, dass es warten soll. Es weiß, dass es ruhig bleiben soll. Es weiß, dass es sich konzentrieren soll. Das ist frustrierend."


ADHS wird oft als Aufmerksamkeitsstörung verstanden. Tatsächlich ist Aufmerksamkeit meist das sichtbarste Symptom - aber nicht das eigentliche Kernproblem.

ADHS ist ein Problem der Selbstregulation.

Selbstregulation bedeutet, sich selbst steuern zu können: Gefühle, Impulse, Aufmerksamkeit, Handlungen. Langfristige Ziele im Blick zu behalten, auch wenn es gerade schwerfällt. Bei ADHS ist diese Selbststeuerung beeinträchtigt.


Selbstregulation ist bei zwei Arten von Herausforderungen besonders wichtig. Man unterscheidet hier kalte und heiße Herausforderungen:

-Kalte Herausforderungen: Sie sprechen unsere Kognition und Ratio an. Zum Beispiel: Ein Arbeitsblatt fertig machen, still sitzen, auch wenn es gerade nicht sehr spannend ist.

-Heiße Herausforderungen: Sie sprechen unsere Emotion und Motivation an. Zum Beispiel: Auf eine Beleidigung nicht gleich zu schlagen oder eine Belohnung aufzuschieben.


Das "kalte System" kann man sich wie ein Navigationsgerät vorstellen. Es kennt den Weg und weiß, wohin die Reise geht. Das "heiße System" ist der Turbo. Er sorgt für Antrieb aber auch für Übersteuerung.


Viele Kinder mit ADHS scheitern nicht am Wissen um das richtige Verhalten, sondern daran, dass das heiße System das kalte überrollt. Sätze wie "Reiß dich doch mal zusammen" oder "Das weißt du doch", sprechen das "kalte System" an. Wenn aber das "heiße System" dominiert, erreichen diese Sätze das Kind gar nicht mehr.


Bevor ein Kind sich selbst steuern kann, muss es sich zuerst reguliert fühlen. Körperliche Erfahrungen, Rhythmus, Beziehung und unmittelbare Rückmeldung wirken direkt auf das emotionale System. Genau hier setzen körper- und tiergestützte Therapieformen an.



In den nächsten Beiträgen werde ich genauer darauf eingehen:

-warum Waten für viele Kinder mit ADHS so schwer ist

-was Belohnung und Motivation damit zu tun haben

-warum Beziehung und Bewegung eine so große Rolle spielen

-was ADHS mit dem körperlichen Wohlbefinden macht

Eine Liste mit lesenswerter Literatur folgt am Ende der Reihe.

 
 
 

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