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  • ursula-egner

Warum eigentlich ein Pferd? Wie Pferde als Therapeuten wirken - Teil 2: Die Bewegung des Pferdes


Haltung – das ist immer eine körperliche und eine geistige Angelegenheit. Über die Frage, was Pferde mit unserer inneren Haltung zu tun haben, habe ich bereits geschrieben.

Wie sieht es mit unserer äußeren Haltung aus? Wie beeinflusst die spezielle Pferdebewegung Körper und Geist?

Ein schreitendes Pferd ist ein bisschen wie die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“, will meinen: Es kann sehr viele Dinge gleichzeitig.

Wenn wir auf einem Pferd sitzen, müssen wir eine bestimmte aufrechte Haltung einnehmen und in Balance bleiben. Das schreitende Pferd hat für unser Becken eine dreidimensionale Bewegung: Das Becken des Reiters wird vorwärts und rückwärts bewegt, hoch und runter und gleichzeitig rechts und links. Der Reiter reagiert darauf mit seiner Stütz- und Haltemuskulatur. Diese Reaktion ist nicht willkürlich, sondern geschieht quasi automatisch.



Das ist der Grund, weshalb wir in der Reittherapie auch sehr häufig auf einen Sattel verzichten und stattdessen zu Decke und Gurt greifen: Sitzt der Reiter auf einer Decke, werden die Bewegungen des Pferdes viel direkter übertragen. Der Reiter spürt außerdem die Wärme, die sich wohltuend auf seine Muskulatur auswirkt. Reiten ist ein wenig wie eine Trainings-Entspannungsreise.

Dennoch haben Körper und Gehirn auf dieser Reise enorm viel zu tun! Die gleichmäßigen Schritte des Tieres geben unserer Muskulatur einen gleichmäßigen Bewegungsimpuls. Dieser reguliert einen zu hohen Muskeltonus oder treibt einen schlaffen Muskeltonus an. Sehr angenehm wirkt sich das immer wieder auf Menschen mit MS aus, die mit einem zu hohen Muskeltonus zu kämpfen haben. Steigen sie nach einer Weile vom Pferd, spüren sie deutlich, wie es „in der Muskulatur nacharbeitet“. Diese Muskelarbeit sollte nie verkrampft sein und da in der Reittherapie das Pferd meist geführt wird, hat ein Klient zunächst auch mit seinen Beinen nichts zu tun, als sie ruhen und tragen zu lassen.

Zugleich findet eine starke Wahrnehmung der Außenwelt (Exterozeption) statt, da unsere Sinne mit allen möglichen Dingen rund um den Stall konfrontiert werden: Den Gerüchen, Geräuschen, dem Fühlen von Fell und Wärme. Doch auch die Innenwahrnehmung (Propriozeption) arbeitet auf Hochtouren: Unser Gleichgewichtssinn arbeitet, die Wahrnehmung von Raumlage, Haltung der Gliedmaßen, Stellung der Gliedmaßen zueinander, Spannung des Körpers usw. wird trainiert.



Für unsere Motorik ist das Pferd das reinste Wundertier, denn es geschehen zahlreiche Abläufe gleichzeitig, die man z.B. in einer Ergotherapie eher nacheinander bearbeiten muss.

Es ist für uns daher sehr wichtig, Ponys mit ganz verschiedenen Bewegungsmustern und eigenem Sinn (manchmal Eigensinn) einzusetzen. Denn nicht jedem Klienten tut ein stark schwingendes Pferd gut und wer starke Probleme mit dem Gleichgewicht hat, sitzt auf einem breiteren Rücken vielleicht für das erste Üben sicherer. Eine bunte Herde ist von großem Vorteil.

Auch wenn Bewegung und Verhalten in separaten Artikeln aufgegriffen werden, sind sie beide eigentlich nicht zu trennen! Eine Übung, die ich gerne in der Reittherapie anwende, lässt sich gut ohne Pferd machen. Testen Sie es einmal selbst: Stellen Sie sich klein und gebückt auf. Dann gehen Sie vorwärts und wachsen Sie von Schritt zu Schritt, bis Sie am Ende aufrecht stehen, die Hände nach oben gestreckt und sich groß fühlen. Spüren Sie nach! Um es kurz zu sagen: Gedrückte Haltung, Gedrückte Gefühle. Große Haltung, Stärke im Körper, ein starkes Gefühl.

Innere Haltung und äußere sind zwei Seiten einer Medaille und das Pferd spricht sie beide an.


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