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  • ursula-egner

Entschuldigung - was machen Sie hier eigentlich?

Über die Arbeit als Reittherapeutin und was Reittherapie ist


Neulich meinte eine Bekannte: „Reittherapie – das könnte ich auch machen. Das ist doch nur Kinder durchs Gelände schuckeln.“ Sehen wir von der Unhöflichkeit der Bemerkung ab und schauen, welchen Spielraum zum Nachdenken sie eröffnet: Sie zeigt, dass viele nicht verstehen, was Reittherapeuten eigentlich machen. Es ist viel mehr, als „Kinder durchs Gelände schuckeln“. Und es erfordert einen therapeutisch wachen Blick für die Bewegungen und Bedürfnisse des Klienten – der dieser Beobachterin offensichtlich fehlte. Also – was machen wir eigentlich?



Sicher war jeder Leser schon einmal von etwas bewegt und weiß, dass damit viel mehr gemeint ist als eine rein körperliche Bewegung. Es ist eine ganzheitliche Bewegung, die oft ihren Ursprung im Inneren hat und sich auch auf den Körper auswirkt. Im Prinzip ist damit beschrieben, was Reittherapie ist.

Es gibt heute viele Angebote rund um Pferd, Reiten, Reitpädagogik und so weiter – und nicht selten stehen Reittherapeuten durch die Vielfalt an Angeboten heute da, wo die Kollegen vor 20 Jahren aufgrund eines Angebot-Mangels standen – nämlich vor der Frage: „Was machen Sie da eigentlich?“

Um es kurz zu sagen: In der Reittherapie nutzen wir die Eigenschaften des Pferdes, die Arbeit auf dem Hof, am Pferd und mit dem Pferd zu therapeutischen Zwecken. Das Ziel ist nicht, dass ein Klient reiten lernt, sondern einen Mehrwert für seine Seele/Psyche/Geist und seinen Körper aus der Arbeit mit dem Pferd schöpft. Die Reittherapeuten sollen dabei helfen, auf diesen Mehrwert hinzuweisen und den Weg dazu zu ebnen. Sie sind quasi Dolmetscher zwischen Pferd und Mensch.


Neben der Reittherapie gibt es noch vielfältige andere Angebote, die ich kurz skizzieren möchte. Es wird helfen, besser zu verstehen, was Reittherapie letztlich ist.

Die Hippotherapie: Sie wird von ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt. Sehr häufig findet die Hippotherapie an der Longe statt. Der Therapeut longiert, der Klient reitet und der Fokus liegt vor allem auf der Körperhaltung.

Das Heilpädagogische Reiten: Es ist dem Therapeutischen Reiten sehr nah verwandt, hat aber einen speziellen pädagogischen und geistigen Hintergrund in der Anthroposophie.

Die Reitpädagogik: Auch sie ist der Reittherapie verwandt, aber sie hat das Ziel, dass ein Kind das Reiten erlernt und zusätzlich auf spielerische und kindgerechte Weise Wissen zum Pferd aufbaut.

Was ist also nun unser spezielles Angebot in der Reittherapie? Sie ist ein bisschen von allem, so etwas wie eine Patchworkdecke oder eine bunt belegte Pizza. Sie richtet den Fokus auf die Bedürfnisse und Ziele des Klienten – diese können körperlicher Art sein, zum Beispiel eine bessere Körperspannung oder die Schulung des Gleichgewichts; diese können aber auch psychischer Art sein, zum Beispiel Wege zur Entspannung zu finden oder zu mehr Selbstbewusstsein. Je nach Klienten setzen wir entsprechende Pferde ein (so bunt wie die Reittherapie ist, sollte auch die Herde sein) und gestalten die Stunde: Hier ist von Atemübungen beim Putzen des Pferdes bis hin zu stunt-mäßigen Turnübungen alles möglich: Es kommt eben immer darauf an!




Der gemeinsame Nenner in jeder Stunde ist das Dreiergespann Klient-Pferd-Therapeut und die ständige Kommunikation in der alle drei miteinander stehen. Und damit wären wir wieder am Anfang dieses Artikels: Wir schuckeln keine Kinder durch die Landschaft, wir überlegen jede Bewegung, jeden Richtungswechsel, jedes Halten und sind dabei in ständiger wacher Kommunikation. Das kann sehr anstrengend sein! Das kann aber auch für alle drei Seiten sehr bereichernd sein.

Wie das im Einzelnen aussehen kann, darüber und über viele andere Dinge rund um Reittherapie und Pferd, darüber möchte ich in diesem Blog informieren.



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